Nico Zorn im Gespräch mit promio.net
| Auch nach zwei Jahrzehnten ist, laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009, das Versenden und Empfangen von E-Mails noch die meist genutzte Aktivität im Internet. Dennoch glauben einige Experten immer noch an das Aus der E-Mail Kommunikation. Vielleicht lassen sich auch die letzten Pessimisten überzeugen, wenn Sie wüssten, welche erfolgsversprechenden Neuerungen in naher Zukunft die E-Mail Branche erwartet. Nico Zorn erläutert in einem Interview mit promio.net, wie zum Beispiel das Video-Mailing die E-Mail revolutioniert. |
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Herr Zorn, momentan flüstert man in der Online Branche noch eher leise von der Video-Einbindung im E-Mail Marketing. Eigentlich gab es doch schon vor Jahren crossmediale E-Mail Kampagnen, die sich dieser Funktion bedient haben. Was ist wirklich neu an diesem Thema?
Die Video E-Mail wurde in gewisser Weise „neu entdeckt“. Die direkte Auslieferung von Videos in E-Mails ist zwar nach wie vor nicht möglich, da Flash, MPEG oder andere Videoformate aufgrund der Sicherheitseinstellungen in den gängigen E-Mail-Programmen nicht angezeigt werden. E-Mail Marketer haben sich jedoch einige Workarounds einfallen lassen, um dennoch Videos im E-Mail Marketing einzusetzen. Hinzu kommt, dass Google Mail seit einigen Tagen verlinkte Youtube-Videos direkt unterhalb einer E-Mail anzeigt und der Zertifizierungs-Dienstleister Goodmail in den USA den Versand von „echten“ Videos an AOL-Adressen testet. Das Thema ist also durchaus – im wahrsten Sinne des Wortes – in Bewegung.
Welche Möglichkeiten gibt es im Online bzw. E-Mail Marketing um Videos zu implementieren?
Mit einem so genannten „Fake Player“ kann man die Klickrate von Kampagnen trotz der aktuell vorhandenen technischen Einschränkungen erhöhen. Dabei wird ein Standbild des Videos inklusive der Bedienelemente (Playbutton, Lautstärkeregler, Fullscreen-Icon etc.) des Videoplayers als Grafik in die E-Mail integriert.
Für den Empfänger entsteht so der Eindruck, als könne er sich das Video direkt in der Mail anschauen. Tatsächlich öffnet sich nach einem Klick auf das Video das Browserfenster mit einer Website, auf der das eigentliche Video eingebunden ist und betrachtet werden kann.
Mit einem zusätzlichen Trick kann in dem Fake Player sogar Bewegtbild angezeigt werden: Hierfür wird das Video in eine animierte Gif-Grafiken umgewandelt, die von allen gängigen E-Mail-Programmen angezeigt wird. Eine Ausnahme bildet lediglich Microsoft Outlook 2007, das anstatt der Animation lediglich das erste Bild der Sequenz anzeigt.
Welche Chancen bieten sich durch diese Funktion für werbetreibende Unternehmen?
Mit Fake Playern und animierten Gif-Grafiken kann die Klickrate von E-Mail Kampagnen signifikant gesteigert werden – zumal dieser Workaround aktuell noch von wenigen Unternehmen eingesetzt wird und somit der „Überraschungseffekt“ genutzt werden kann.
Wie können Unternehmen diese Anwendungen am Besten einsetzen und worauf muss man besonders achten?
Grundsätzlich eignen sich Videos hervorragend, um eine Produktdarstellung
emotional aufzuladen oder um beispielsweise im B2B-Bereich erklärungsbedürfte Produkte ansprechend zu präsentieren. Für das Hosting der Videos empfiehlt es sich, auf eine Plattform wie Youtube oder Sevenload zu setzen. Das entsprechende Video lässt sich anschließend problemlos in die eigene Website integrieren und der Erfolg (die Anzahl der Views) kann detailliert ausgewertet werden.
Die Online Branche ist vor allem für Ihre Schnelllebigkeit bekannt. Wie sieht die technische Entwicklung im E-Mail Marketing aus? Werden sich die Möglichkeiten für Vermarkter und Werbetreibende erweitern?
Schon vor einigen Jahren wurde die E-Mail von einigen Experten mehrfach für tot erklärt. Instant Messaging, Communities, Social Networks oder aktuell Twitter oder Google Wave sollten die E-Mail ablösen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Facebook schickt mir täglich zahlreiche Notification-E-Mails und plant sogar den Launch eines eigenen Webmail-Dienstes.
Auf der anderen Seite hat sich die E-Mail in der Tat kaum weiterentwickelt. Nutzer erwarten Videos und Inhalte, mit denen sie interagieren können und E-Mail Marketer müssen bislang noch auf Workarounds zurückgreifen, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Unter den Webmail-Providern gibt es jedoch durchaus Bemühungen, die Darstellungsmöglichkeiten der E-Mail zu erweitern. Neben der bereits genannten Darstellung von Youtube-Videos testet Google unter dem Namen „Enhanced Mails“ interaktive Inhalte in E-Mails.
Bewegung gibt es aber auch im deutschsprachigen Raum. Die Trusted Dialog
Initiative von United Internet Media ermöglicht Unternehmen, E-Mails mit ihrem
Logo als Absender zu versenden – gerade für Markenartikler ein sehr spannender Ansatz!
Über Nico Zorn: Nico Zorn ist Mitgründer und Geschäftsführer der auf Online Business Development spezialisierten Unternehmensberatung Saphiron GmbH. Zorn beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema E-Mail Marketing und veröffentlicht seit 2003 den Branchendienst Email Marketing Blog (http://www.emailmarketingblog.de).





